You are here: Home Arbeit Das „Essener Bürgerjahr“
Document Actions

Das „Essener Bürgerjahr“

Das „Essener Bürgerjahr“ wurde von dem früheren Leiter des Evangelischen Behindertenreferates, Pastor Klaus von Lüpke, initiiert und startete im Jahr 1996 mit zunächst zwei Mitarbeitenden. Heute sind 182 Mitarbeitende im „Essener Bürgerjahr“ tätig: Dank einer finanziellen Existenzsicherung in Höhe von 1000 € monatlich (inkl. Sozialversicherung) ermöglicht diese neue und ungewöhnliche Form der „hauptberuflichen Freiwilligenarbeit“ einer großen Vielfalt von interessierten und motivierten Menschen aller möglichen Altersstufen für die Dauer von einem bis hin zu drei Jahren eine sinnvolle Beschäftigung.

Das „Essener Bürgerjahr“, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde („innovatio“) und u.a. von Prof. Klaus Dörner als vorbildlich empfohlen wird, hat sein Praxisfeld momentan in der offenen, ambulanten Behindertenarbeit: Zur Zeit werden vor allem  Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer geistigen Behinderung - in Kindergärten und Schulen, in Familie und Freizeit und in zwei integrativen Café-Projekten betreut. Die Mitarbeitenden werden intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet und erhalten eine professionelle Begleitung. Refinanziert wird die monatliche Vergütung durch Leistungen der Eingliederungshilfe, auf die Menschen mit Behinderung nach dem Sozialgesetzbuch Anspruch haben, durch Projektmittel und Spenden.

Die Gründe, warum Menschen im Rahmen des „Essener Bürgerjahrs“ aktiv werden, sind verschieden: Das „Essener Bürgerjahr“ ermöglicht den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Erziehungszeit und kann der Überbrückung der Wartezeit auf einen Studienplatz dienen. Anderen Menschen weist es einen Weg aus der Arbeitslosigkeit. Denn auch zu den „Gemeinwohlorientierten Arbeitsgelegenheiten“ nach HARTZ IV (sogenannte „Ein-Euro-Jobs“) ist das „Essener Bürgerjahr“ eine sinnvolle Alternative - und dies nicht nur deshalb, weil der monatliche Zuschussbedarf mit rund 500 Euro deutlich geringer ist: Während Gemeinwohlarbeit als eine weit enger befristete Notlösung und Überbrückung bis zur Vermittlung in den „ersten Arbeitsmarkt“ gedacht ist, besitzt das sozialversicherungspflichtige und mit 1.000 Euro monatlich vergütete „Bürgerjahr“ einen eigenen Wert, der auf eine grundlegende Neubewertung gesellschaftlicher Arbeit hinausläuft.

Vom „Essener Bürgerjahr“ profitieren alle: Die Menschen, die in ihrem Alltag begleitet werden. Die Mitarbeitenden, die sich durch die Arbeit mit diesen Menschen fachlich und menschlich qualifizieren. Und nicht zuletzt die Gesellschaft insgesamt, in der neue Orte der Integration, des Miteinanders, des gegenseitigen Respekts entstehen.



Das „Essener Bürgerjahr“ könnte mit gleich guten Einsatzmöglichkeiten in weitere soziale, ökologische und kulturelle Aufgabenbereiche eingebracht werden. Konkret nennen möchten wir das Beispiel Begleitdienste für Menschen mit Alzheimer-Erkrankung, die über das hinausgehen, was durch die Pflegeversicherung finanziert werden kann, aber für die Betroffenen selber und für ihre Angehörigen von einem Wert wären, der weit über die Kosten hinausginge. Da es jedoch in diesem Bereich zur Zeit kein öffentliches Förderprogramm für das „Essener Bürgerjahr“ gibt, bleibt diese Perspektive offen.


Wer ist für das „Essener Bürgerjahr geeignet?
Unabhängig vom konkreten Anlass spielt die Motivation, sich für andere Menschen sozial zu engagieren, immer eine grundlegende Rolle. Offenheit im Umgang mit anderen Menschen, Toleranz und Verständnis für besondere Lebenslagen und die Bereitschaft, von und mit anderen Menschen zu lernen, sind eine wichtige Voraussetzung.

Information, Kontakt:
Aktion Menschenstadt / Behindertenreferat des Evangelischen Stadtkirchenverbandes Essen
Haus der Ev. Kirche, 45127 Essen
Telefon 0201 / 22 05-125
eMail behindertenreferat@evkirche-essen.de
www.behindertenreferat.de