Neujahrsempfang des Kirchenkreises Gladbeck-Botttrop-Dorsten
"Zweitausend Jahre einer Kultur ohne eine Spur von Christentum. Das hieße: keine Kirchtürme, die aus der Silhouette der Landschaften ragen, keine gemalten Passionsszenen, keine Kreuze in öffentlichen Gebäuden und natürlich auch keine Weihnachtsgans, weil des das Fest ja gar nicht gäbe.“
Superintendent Detlef Mucks-Büker konnte zum Neujahrsempfang des Kirchenkreises Dr. Petra Bahr, Kulturbeauftragte der EKD, als Gastrednerin begrüßen. Foto: Bugzel
In ihrem Vortrag zum Neujahrsempfang des Ev.Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten im Gemeindehaus an der Johanneskirche lieferte Dr. Petra Bahr den über 200 Gästen aus Kirche und Kultur, Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden zahlreiche Denkanstöße. Die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sprach im sich neigenden Kulturhauptstadtjahr zum Thema „Kirche macht Kultur.“
Zuvor ließ in seinem Grußwort Superintendent Detlef Mucks-Büker zu Beginn des neuen Kirchenjahres die Ereignisse in den Städten und Gemeinden des Kirchenkreises mit einem besonderen Akzent auf RUHR.2010 noch einmal Revue passieren. „Als christliche Kirchen waren und sind wir präsent im Ruhrgebiet. Und wir machen hier schon seit mehr als 1000 Jahren Kultur, lange vor dem Zeitalter von Kohle und Stahl“, zeigte sich Mucks-Büker überzeugt.
Auch die Städte des Kirchenkreises seien an vielen Stellen prominent im Programm von RUHR.2010 vertreten gewesen und seien in der breiten Öffentlichkeit auf ganz neue Weise als „Kulturpartner“ wahrgenommen worden.
Mucks-Büker erinnerte an die kirchlichen Veranstaltungen in den jeweiligen Local Hero Wochen und nannte als herausragendes Beispiel kirchlichen Engagements die Ausstellung „Kunst trotzt Armut“ in Wulfen-Barkenberg, die von mehr als 1.200 Menschen besucht wurde. „Sich den Armen zuzuwenden und gleichzeitig der Armut zu wehren, ihr zu „trotzen“, ist uns als Kirche ins Stammbuch geschrieben“, gab der Superintendent zu bedenken. Mit den kirchlichen Beiträgen zum Kulturhauptstadtjahr hätten die Kirchen ein unverzichtbares Zeichen kirchlicher Kulturarbeit gesetzt.
In der Kirche herrschten oft große Berührungsängste mit den Künsten der Gegenwart, räumte Petra Bahr in ihrem Vortrag ein. Kunst und Glaube seien nicht in dem Sinne notwendig wie Kohlehydrate und Straßennetze. „Sie sind mehr als nützlich und machen genau das auch zum Thema: der Mensch ist mehr als das, was sich rechnet.“ Er gehe nicht auf in dem was er kann, leistete und liebt. Der Mensch sei anmutig und würdig jenseits der geforderten Leistungskataloge. „Dies sind die Essentials der christlichen Botschaft“, so Petra Bahr. „Die bleibende Relevanz des Christentums für unsere Kultur lebt von Christinnen und Christen, die ihrem Glauben Relevanz verleihen.“ Religiöse Symbole stünden nicht mehr unter Artenschutz. Bahr: „Sie brauchen Menschen, die damit leben.“
