Kreissynode Essen fordert ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept für das Ruhrgebiet
Die Essener Kreissynode hat den Bau der umstrittenen Nord-Süd-Autobahn A52/A44 am Wochenende auf ihrer Herbsttagung in Rüttenscheid scharf kritisiert. Stattdessen wollen sich die Delegierten aus den Kirchengemeinden und Gemeindeübergreifenden Diensten des Kirchenkreises für die Entwicklung eines städteübergreifenden und zukunftsorientierten Mobilitätskonzeptes einsetzen, das nachhaltig für mehr Lebensqualität im Ruhrgebiet sorgt und umweltverträglichen Verkehrsmitteln den Vorzug gibt.
Inhaltliches Schwerpunkthema der Synode war die Situation der Diakonie in Essen; zahlreiche diakonische Einrichtungen präsentierten aus diesem Anlass ihre Angebote in der Reformationskirche auf einem "Markt der Möglichkeiten". Außerdem hatten die Synodalen über die Haushalts- und Stellenpläne für das kommende Jahr zu beschließen.

Gastreferenten zum Schwerpunktthema "Situation der Diakonie in Essen" waren Pfarrer Dr. Werner M. Ruschke aus Münster und Peter Renzel, Beigeordneter der Stadt Essen für Jugend, Familie, Schule und Gesundheit. In seinem Vortrag machte sich Ruschke, der dem Evangelischen Perthes-Werkes als Vorstandsvorsitzender vorsteht und auch Mitglied im Vorstand des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) ist, für die zeitgenössische Erscheinungsform der Diakonie stark: Dass ein Großteil der diakonischen Hilfsangebote heute durch hoch spezialisierte Mitarbeitende großer, rechtlich selbständiger Einrichtungen erbracht werde, sei eine historisch begründete Errungenschaft, eröffne vielfältige Handlungsspielräume zugunsten Not leidender Menschen und ermögliche zudem eine schnellere und flexiblere Reaktion auf aktuelle Herausforderungen.
Deutlich benannte Werner Ruschke aber auch die Gefahren der zunehmenden "Verfachlichung": Mancherorts hätten diese Trends zu einer Entfremdung zwischen diakonischen Trägern und Kirchengemeinden, zwischen hoch qualifizierten Fachkräften und ehrenamtlich Tätigen geführt. Vor diesem Hintergrund sei die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen und die bewusste Schaffung von Konkurrenzsituationen in den verschiedenen Bereichen des Sozialstaats nicht nur negativ zu bewerten: "Um sich gegen Mitbewerber durchsetzen zu können, besinnen sich viele diakonische Einrichtungen auf ihr Alleinstellungsmerkmal: Die Verbindung von professionellen Angeboten mit kirchlichem Profil und Christlichkeit, mit dem Bewusstsein, diese Dienste aus dem Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe heraus zu erbringen", sagte Ruschke.
Als zentrale Aufgabenfelder für die nächsten Jahre benannte Peter Renzel, städtischer Beigeordneter für Jugend, Familie, Schule und Gesundheit, die Optimierung des Bildungswesens - so sei die Zahl junger Menschen, die die Schulen in jedem Jahr ohne einen Abschluss verließen, mit durchschnittlich rund 500 viel zu hoch - sowie die Familienpolitik: In diesem Bereich gehe es vor allem darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa durch entsprechende Angebote in den Kindertageseinrichtungen oder die Schaffung von Pflegehilfen im Alltag deutlich zu verbessern. Um diese Probleme zu lösen, gelte es, "starke strategische Allianzen zwischen Wirtschaftsunternehmen und den Trägern sozialer Dienstleistungen zu schmieden", sagte Renzel. Er wünsche sich die Evangelische Kirche und ihre Diakonie dabei weiterhin als verlässliche Partner, die sich um einheitliche und klare Positionen und um schnelle, transparente Entscheidungswege bemühten.
Mit großer Einmütigkeit - bei nur drei Gegenstimmen und sieben Enthaltungen - folgte die Kreissynode einem Antrag aus den vier Kirchengemeinden Altenessen-Karnap, Bergerhausen, Frillendorf und Stoppenberg und lehnte den geplanten Bau der umstrittenen Transitautobahn A52/A44 durch das Ruhrgebiet ab. Auch der synodale Beirat für Umweltfragen des Kirchenkreises hatte empfohlen, diesem Beschlussvorschlag zuzustimmen. Statt des Autobahnbaus forderte das Kirchenparlament ein städteübergreifendes und zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept, das nachhaltig für mehr Lebensqualität im Ruhrgebiet sorgt. Dazu zähle in erster Linie die Aufstellung eines Generalverkehrsplans, der die Bedeutung umweltverträglicher Verkehrsmittel und den möglichen Aufbau logistischer Zentren im Umland für den Güterverkehr einbeziehe. Planung und Bau der neuen Transitautobahn sollten dagegen unverzüglich beendet und aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden, so der Beschluss.
Hintergrund: Die umstrittene Nord-Süd-Autobahn soll nach und nach in Teilstrecken verwirklicht werden. In Fortführung der Autobahn A52 verläuft die Streckenplanung durch Gladbeck, Bottrop, Essen und - als A44 - weiter bis nach Velbert, Heiligenhaus und Ratingen. Mehrere Kirchengemeinden im Essener Norden, darunter die Antragsteller Altenessen-Karnap, Frillendorf und Stoppenberg, die durch den Autobahnbau stark belastet und teilweise zerschnitten würden, hatten das Autobahnprojekt von Anfang an entschieden abgelehnt. Dank der Unterstützung durch den deutlichen Beschluss der Kreissynode könne man den Protest nun auf eine breitere innerkirchliche Basis stellen und dadurch auch mehr öffentliche Beachtung erzielen, hieß es.
In seinem Bericht an die Synodalen zog Superintendent Irmenfried Mundt eine positive Bilanz der evangelischen Beiträge zum Essener Programm der Kulturhauptstadt RUHR.2010. Gemeindeübergreifende Kunstprojekte und Musikreihen hätten eine breite Wirkung entfaltet und zur Bildung dichter innerkirchlicher Netzwerke geführt; als weitere beispielhafte Höhepunkte zählte Mundt den Motorrad-Gottesdienst auf Zollverein, den Europäischen Hochschuldialog in der Studierendengemeinde, das Ökumenische Partnerschaftstreffen mit Gästen aus aller Welt, die Abraham-Karawane nach Pécs und Istanbul, das interreligiöse Friedensfest in Altenessen und das Reformationskonzert auf.
Sie waren die Hauptakteure bei der Kreissynode des Kirchenkreises ESsen: Diakoniepfarrer Karl-Horst Junge, Peter Renzel, Pfarrer Dr. Werner M. Ruschke und Superintendent Irmenfried Mundt. Foto: Kirchenkreis.
Gastreferenten zum Schwerpunktthema "Situation der Diakonie in Essen" waren Pfarrer Dr. Werner M. Ruschke aus Münster und Peter Renzel, Beigeordneter der Stadt Essen für Jugend, Familie, Schule und Gesundheit. In seinem Vortrag machte sich Ruschke, der dem Evangelischen Perthes-Werkes als Vorstandsvorsitzender vorsteht und auch Mitglied im Vorstand des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) ist, für die zeitgenössische Erscheinungsform der Diakonie stark: Dass ein Großteil der diakonischen Hilfsangebote heute durch hoch spezialisierte Mitarbeitende großer, rechtlich selbständiger Einrichtungen erbracht werde, sei eine historisch begründete Errungenschaft, eröffne vielfältige Handlungsspielräume zugunsten Not leidender Menschen und ermögliche zudem eine schnellere und flexiblere Reaktion auf aktuelle Herausforderungen.
Deutlich benannte Werner Ruschke aber auch die Gefahren der zunehmenden "Verfachlichung": Mancherorts hätten diese Trends zu einer Entfremdung zwischen diakonischen Trägern und Kirchengemeinden, zwischen hoch qualifizierten Fachkräften und ehrenamtlich Tätigen geführt. Vor diesem Hintergrund sei die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen und die bewusste Schaffung von Konkurrenzsituationen in den verschiedenen Bereichen des Sozialstaats nicht nur negativ zu bewerten: "Um sich gegen Mitbewerber durchsetzen zu können, besinnen sich viele diakonische Einrichtungen auf ihr Alleinstellungsmerkmal: Die Verbindung von professionellen Angeboten mit kirchlichem Profil und Christlichkeit, mit dem Bewusstsein, diese Dienste aus dem Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe heraus zu erbringen", sagte Ruschke.
Als zentrale Aufgabenfelder für die nächsten Jahre benannte Peter Renzel, städtischer Beigeordneter für Jugend, Familie, Schule und Gesundheit, die Optimierung des Bildungswesens - so sei die Zahl junger Menschen, die die Schulen in jedem Jahr ohne einen Abschluss verließen, mit durchschnittlich rund 500 viel zu hoch - sowie die Familienpolitik: In diesem Bereich gehe es vor allem darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwa durch entsprechende Angebote in den Kindertageseinrichtungen oder die Schaffung von Pflegehilfen im Alltag deutlich zu verbessern. Um diese Probleme zu lösen, gelte es, "starke strategische Allianzen zwischen Wirtschaftsunternehmen und den Trägern sozialer Dienstleistungen zu schmieden", sagte Renzel. Er wünsche sich die Evangelische Kirche und ihre Diakonie dabei weiterhin als verlässliche Partner, die sich um einheitliche und klare Positionen und um schnelle, transparente Entscheidungswege bemühten.
Mit großer Einmütigkeit - bei nur drei Gegenstimmen und sieben Enthaltungen - folgte die Kreissynode einem Antrag aus den vier Kirchengemeinden Altenessen-Karnap, Bergerhausen, Frillendorf und Stoppenberg und lehnte den geplanten Bau der umstrittenen Transitautobahn A52/A44 durch das Ruhrgebiet ab. Auch der synodale Beirat für Umweltfragen des Kirchenkreises hatte empfohlen, diesem Beschlussvorschlag zuzustimmen. Statt des Autobahnbaus forderte das Kirchenparlament ein städteübergreifendes und zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept, das nachhaltig für mehr Lebensqualität im Ruhrgebiet sorgt. Dazu zähle in erster Linie die Aufstellung eines Generalverkehrsplans, der die Bedeutung umweltverträglicher Verkehrsmittel und den möglichen Aufbau logistischer Zentren im Umland für den Güterverkehr einbeziehe. Planung und Bau der neuen Transitautobahn sollten dagegen unverzüglich beendet und aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden, so der Beschluss.
Hintergrund: Die umstrittene Nord-Süd-Autobahn soll nach und nach in Teilstrecken verwirklicht werden. In Fortführung der Autobahn A52 verläuft die Streckenplanung durch Gladbeck, Bottrop, Essen und - als A44 - weiter bis nach Velbert, Heiligenhaus und Ratingen. Mehrere Kirchengemeinden im Essener Norden, darunter die Antragsteller Altenessen-Karnap, Frillendorf und Stoppenberg, die durch den Autobahnbau stark belastet und teilweise zerschnitten würden, hatten das Autobahnprojekt von Anfang an entschieden abgelehnt. Dank der Unterstützung durch den deutlichen Beschluss der Kreissynode könne man den Protest nun auf eine breitere innerkirchliche Basis stellen und dadurch auch mehr öffentliche Beachtung erzielen, hieß es.
In seinem Bericht an die Synodalen zog Superintendent Irmenfried Mundt eine positive Bilanz der evangelischen Beiträge zum Essener Programm der Kulturhauptstadt RUHR.2010. Gemeindeübergreifende Kunstprojekte und Musikreihen hätten eine breite Wirkung entfaltet und zur Bildung dichter innerkirchlicher Netzwerke geführt; als weitere beispielhafte Höhepunkte zählte Mundt den Motorrad-Gottesdienst auf Zollverein, den Europäischen Hochschuldialog in der Studierendengemeinde, das Ökumenische Partnerschaftstreffen mit Gästen aus aller Welt, die Abraham-Karawane nach Pécs und Istanbul, das interreligiöse Friedensfest in Altenessen und das Reformationskonzert auf.
