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Post aus Japan – zentraler Bittgottesdienst im Kirchenkreis

Elisabeth Hübler-Umemoto war in den 90er Jahren als Pfarrerin in der Dreifaltigkeitskirchengemeinde und in der Kreuzkirchengemeinde tätig – bis sie 1999 mit ihrem Mann nach Tokio auswanderte. Hier arbeitet sie als Pfarrerin in der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache Tokyo-Yokohama. In diesen Tagen berichtet sie ihren Herner Freunden von der Situation in Japan.

Pfingsten












Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto arbeitet seit 1999 in der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache Tokyo. Foto: Privat.

In einer E-Mail schildert die Pfarrerin, wie die japanische Bevölkerung mit den Folgen der Katastrophe umgeht. Sie können den Text gerne (auch in Auszü-gen) veröffentlichen. Ein Foto von Elisabeth Hübler-Umemoto finden Sie im Anhang der E-Mail. Hier nun der Brief (leicht gekürzt):

"Liebe Geschwister!

Gespräche, Telefonate mit Gemeindemitgliedern, Interviews mit Medien. Ein langer Tag geht zu Ende. Der vierte Tag nach den schrecklichen Ereignissen. Heute hatten wir noch keinen Stromaus-fall, aber die Züge, S-Bahnen, U-Bahnen wurden deutlich reduziert, um Strom zu sparen.
Ich bekomme öfter die Frage gestellt, warum die Japaner so gelassen, so diszipliniert auf das alles hier reagieren. Japaner sind stark, wenn sie eine fest definierte Rolle ausfüllen müssen. Das hilft jetzt sehr, um in dieser unermesslichen Notlage zu tun, was nötig ist.
In einzelnen Geschichten erzählt Hübler-Umemoto von der Hilfsbereitschaft der Japaner:
Da ist der Tanklastzugfahrer, der seinen Tankzug mit Trinkwasser füllt und zum nächsten verwüste-ten Dorf fährt, um den Menschen Wasser zu bringen. Dazu sagt er: „Ich freue mich sehr, dass ich diesen Beitrag leisten kann.“ Oder jene Frau, die von einem Soldaten auf dem Rücken aus den Trümmern getragen wird und sich auf so unverwechselbar japanische Weise bedankt: „Ich kann dir dafür nichts zurück geben; ich fühle mich schuldig dafür, dass du etwas für mich tun musst, was du normalerweise nicht tun musst.“
Wir erfahren in diesen Tagen,  wie groß die Schattenseite unserer allumfassend technisierten Welt ist. Es war so schön bequem mit all den Geräten, die uns umgeben. Von der elektronisch gesteuerten Klo-Washlette-Spülung bis zur Espressomaschine mit eigener Kaffeemühle, weltweiter Vernetzung etc. Ich hoffe, dass man in Japan und überall dort wo es Kernkraftwerke gibt, über Veränderungen in der Energieversorgung nachdenkt.
Wunderschöne Briefe haben uns erreicht, tief anrührende Segenswünsche. Eine Flut an Mails der Anteilnahme. Hilfsangebote. Danke Ihnen allen dafür. Manche fragen mich nach meiner Angst, aber mir geht es eher so, dass ich jetzt  merke, was mein Glaube mir bedeutet. Dass wir alle in Gottes Hand sind, wo immer wir auch sind. Und wo ich bin, soll ich blühen, soll ich meine Aufgabe erfüllen, soll ich für die Menschen da sein. Und das werde ich tun.
Kontakte halten ist jetzt wichtig, wo die Verkehrswege unberechenbarer und umständlicher sind. Sich anrufen, Mails austauschen, sich gegenseitig Mut machen, die Angst teilen. Wenn es zum Schlimmsten kommt, werden wir auch gehen, aber soweit ist es noch nicht.
Wir leben ja so, dass es keine Garantien gibt, ob wir uns retten werden. Wir leben in einer Risiko-gesellschaft, steigen in Flugzeuge, reisen in jeden Winkel der Erde, treiben Extremsport etc.
Die meisten hier haben sich zum Gehen entschlossen. Sie spüren natürlich die Verantwortung für ihre Kinder. Funktionsträger der Firmen sind noch da, so auch wir. So sitzen wir hier, hoffen und  bangen und vertrauen, dass wir das Richtige entscheiden.
Heute sind deutlich weniger Züge gefahren, um Strom zu sparen. Es gibt kein Benzin mehr an den Tankstellen. Deshalb wird vielleicht auch unser zweiter  Versuch, am Mittwoch zum Gottesdienst in der Kirche zusammen zu kommen, scheitern.
Es freut die Menschen hier ungeheuer, dass weltweit so viel Anteil genommen wird, soviel echtes Mitfühlen rüberkommt. Da sind die Japaner dann auch gerne bereit, ebensolche Hilfe zurückzuge-ben, wenn in anderen Ländern Not ist.
Elisabeth Hübler-Umemoto"

Spendenmöglichkeit
Der nationale Christenrat in Japan hat einen Spendenaufruf gestartet, der unbürokratische Maßnah-men der örtlichen Hilfsorganisationen unterstützen soll. Wer diesem Aufruf folgen möchte, kann etwas überweisen auf das deutsche Konto der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache Tokyo-Yokohama, Kontonummer 118778000 bei der Commerzbank Leipzig (BLZ 860 400 00).

Zentraler Bittgottesdienst
Der Evangelische Kirchenkreis Herne kommt der Bitte seiner ehemaligen Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto um Gebete für die Menschen in Japan nach mit einem zentralen Bittgottesdienst. Er findet statt am Sonntag, 20. März, um 10.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche am Regenkamp 79 in Herne-Süd. Pfarrer Martin Domke vom Eine Welt Zentrum wird den Gottesdienst unter Mitwirkung von Superintendent Reiner Rimkus halten.
Schreiben Sie hier den Text rein

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