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Moerser Wahrzeichen wird für einige Monate geschlossen

Was sieht man als erstes, wenn man von außerhalb auf Moers blickt? Die evangelische Stadtkirche. Sie ist mit das wichtigste Wahrzeichen der Grafenstadt. Hier heiraten die Menschen, hier lassen sie ihre Kinder taufen, auf ihrem Mäuerchen sitzt man im Sommer mit einem Eis , hier wird diskutiert und hier werden Konzerte gegeben. Hier findet man offene Ohren, wenn man ein Problem hat, hier kann man vom Stadtbummel ausspannen.

Pfingsten
Torsten Maes, Pfarrer der Stadtkirche Moers, und Anke Prumbaum, Pfarrerin der Kirchengemeinde Moers sind erschrocken über die Größe der Risse im Mauerwerk der Stadtkirche. Foto: Kirchenkreis Moers.

Niemand hat wohl damit gerechnet, dass das einmal nicht mehr so sein würde. Doch die Stadtkirche ist in einem dramatisch schlechten Zustand.
"Wenn wir jetzt nichts tun, wird sie langfristig nicht mehr zu retten sein", erklärt Torsten Maes, Pfarrer der Stadtkirche Moers. In den letzten Jahren haben sich die tragenden Säulen im Kircheninneren, dem so genannten Kirchenschiff, langsam aber stetig gesenkt. Der Turm hingegen steht auf festem Fundament und sinkt nicht. Spannung zwischen den beiden Gebäudeteilen entstand, es bildeten sich Risse, mittlerweile tief und lang, z. T. über die gesammte Gebäudelänge. Im Eingangsbereich zwischen Turm und Schiff gibt es einen Höhenunterschied von 10 cm, man kann stolpern.
Ein aufwändiges Stützungsverfahren soll helfen und deshalb wird die Kirche ab März für einige Monate geschlossen. Streben werden unter die Säulen der Stadtkirche gebracht werden. Sie reichen bis tief ins Erdreich, wo der Boden fest und tragend ist und verhindern, dass das Gebäude weiter sinkt.
Haken dabei: Allein diese Maßnahme, die lediglich verhindert, dass der Gebäudezustand des Moerser Wahrzeichens sich verschlechtert, kostet 300000 Euro. Diese tragen die Evangelische Kirchengemeinde Moers und die Bezirksregierungen gemeinsam. Die gesamten Sanierungskosten aber werden wesentlich höher liegen. "Wir müssen die Risse beseitigen, die Wände renovieren. Der Kirchenboden muss neu verlegt werden", zählt der Stadtkirchenpfarrer auf. "Darüberhinaus müssen wir die Kirche auch in einen zeitgemäßen Zustand bringen. Die Heizung muss erneuert werden, die Mikrofonanlage ist noch aus den Fünfzigern, die Lichtverhältnisse sind inakzeptabel.Um das Gebäude als städtisches Zentrum halten zu können, müssen wir insgesamt um die 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen."
Maes hofft, dass die Moerserinnen und Moerser sich an ihre Stadtkirche erinnern und die Sanierung begleiten.
"Stadtkirche stützen" lautet deshalb vielsagend das Motto. In den nächsten Wochen wird eine Internetseite frei geschaltet, die Spenden auch online ermöglichen soll, zumindest aber Spendenmöglichkeiten nennen. Zudem soll ein Förderverein gegründet werden.
Wie lange die Bauarbeiten gehen, steht noch nicht fest. Im März wird die Kirche leer geräumt. Die anschließende Versenkung der Stützungspfähle dauert eigentlich nur sechs bis acht Wochen. Doch unter dem Gebäude gibt es Reste des alten Klosters. Außerdem werden Gräber vermutet. Die historischen Funde müssen vom Denkmalschutz untersucht und katalogisiert werden. Wie lange das dauert, ist unbekannt. Hoffnung ist, dass die Stadtkirche im November ihren Moersern wieder zur Verfügung steht. Vielleicht nicht nur repariert, sondern in neuem Glanz.

Hintergrundinformationen zur Kirche:
Die Ursprünge der evangelische Stadtkirche reichen bis ins 14. Jahrhundert. Sie ist eng verbunden mit Stadtgeschichte. Durch ihre Lage verbindet sie historisches Moers und die moderne Einkaufsstadt. Die Kirche wird zu unterschiedlichen Zwecken genutzt. Neben Gottesdiensten, Taufen und Trauungen gibt es Konzerte, Lesungen und kulturelle Ereignisse sowie Veranstaltungen, die das aktuelle politische und gesellschaftliche Leben aufgreifen, etwa die Stadtkirchengespräche. An fünf Tagen in der Woche ist die Stadtkirche für Passanten und Besucher geöffnet. Sie finden einen Ort der Stille und Besinnung. Am Freitag, zur Marktzeit, ertönt um 12.03 Uhr die Orgel der Stadtkirche. Viele Menschen in Moers haben in ihrer persönlichen Geschichte Berührungspunkte mit der Kirche und fühlen sich ihr verbunden.

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