Tschernobyl ist gegenwärtig
Der Reaktorunfall in Tschernobyl ist mittlerweile ein viertel Jahrhundert her. Sicher, damals war das schlimm, doch wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen und allmählich, mit der Zeit, haben sich die Probleme erledigt.
Diese Meinung hat sich in vielen Köpfen festgesetzt, häufig bewusst durch Verschweigen und Schönreden hervorgerufen und verstärkt. Doch das Gegenteil ist der Fall. "Was uns Menschen noch bevorsteht, kann jetzt, eine Generation nach der Katastrophe noch überhaupt nicht abgeschätzt werden." Mit diesen klaren Worten warnte Dr. Winfried Eisenberg vor einer Verharmlosung der Spätfolgen des Reaktorunglücks. Eisenberg ist Kinderarzt und war bis zu seinem Ruhestand Chefarzt der Herforder Kinderklinik. Er ist engagiert bei den "Internationalen Ärzten zur Verhinderung eines Atomkrieges", kurz IPPNW. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "25 Jahre nach Tschernobyl" referierte er am Montag, 24. Januar, zum Thema "Langzeitfolgen der radioaktiven Verstrahlung".

Im Mittelpunkt seines Vortrages standen die sogenannten "transgenerationalen Effekte". Auf Deutsch: Die Weitergabe von Strahlenschäden an die nachfolgenden Generationen. Eines der vielen von
ihm angeführten Beispiele sind bösartige Hirntumore, die es, so Eisenberg, "bei Säuglingen und Kleinkindern eigentlich nicht gibt". Eigentlich - denn in Kiew und Umgebung gehören sie zum Klinikalltag. Es sind Kleinkinder, deren Mütter beim Reaktorunfall noch überhaupt nicht geboren waren. "Das kann nur damit erklärt werden, dass die genetischen Veränderungen über Generationen hinweg weitergegeben werden." Eisenberg bemüht einen Vergleich, um die langfristige Gefährdung deutlich zu machen. Die rote Feldmaus in Belarus, deren Lebensspanne ein halbes Jahr währt, ist jetzt in der 50. Generation seit dem Atomunfall. Und immer noch sind bei ihr Mutationen festzustellen. Übertragen auf den Menschen bedeutet das, dass die Nachkommen der Betroffenen noch im Jahr 3260 an genetischen Veränderungen, gehäuften Krebs- und auch andere Krankheiten leiden werden. Eisenberg: "Tschernobyl wütet im Erbgut."
Diese Erkenntnisse sind für die Wissenschaftler der betroffenen Regionen
nichts Neues, sie selbst haben sie erforscht. "Doch", so Eisenberg, "sie
werden im Westen nach Kräften totgeschwiegen." Das sei nicht
verwunderlich, "wenn man die Laufzeiten der Atomkraftwerke hier
verlängern will". Daher müsse man deren Gefährlichkeit klein reden.
Eisenberg wies ausdrücklich darauf hin, dass auch Kernkraftwerke im
"Normalbetrieb" für die Bevölkerung gefährlich seien. Es gebe
ausreichend Studien, die belegen, dass das Risiko an Krebs zu erkranken
steigt, wenn man im Umkreis von bis zu 50 Kilometern von einem
Atomkraftwerk lebt.
Bei Tschernobyl gehe es deswegen nicht nur um das Erinnern, schloss
Dietrich von Bodelschwingh von der Initiative "Heim-statt Tschernobyl"
als Moderator den Abend. "Tschernobyl ist gegenwärtig und es ist alles
zu tun, dass es sich niemals wiederholt."
"Tschernobyl wütet im Erbgut", das ist die Meinung des Kinderarztes Dr. Winfried Eisenberg (links). Hier zusammen mit Dietrich von Bodelschwingh (Mitte) von Heim-statt Tschernobyl und Edgar Boes-Wenner von der Internationalen Genossenschaft für Klima, Energie und Entwicklung. Foto: VKK
Im Mittelpunkt seines Vortrages standen die sogenannten "transgenerationalen Effekte". Auf Deutsch: Die Weitergabe von Strahlenschäden an die nachfolgenden Generationen. Eines der vielen von
ihm angeführten Beispiele sind bösartige Hirntumore, die es, so Eisenberg, "bei Säuglingen und Kleinkindern eigentlich nicht gibt". Eigentlich - denn in Kiew und Umgebung gehören sie zum Klinikalltag. Es sind Kleinkinder, deren Mütter beim Reaktorunfall noch überhaupt nicht geboren waren. "Das kann nur damit erklärt werden, dass die genetischen Veränderungen über Generationen hinweg weitergegeben werden." Eisenberg bemüht einen Vergleich, um die langfristige Gefährdung deutlich zu machen. Die rote Feldmaus in Belarus, deren Lebensspanne ein halbes Jahr währt, ist jetzt in der 50. Generation seit dem Atomunfall. Und immer noch sind bei ihr Mutationen festzustellen. Übertragen auf den Menschen bedeutet das, dass die Nachkommen der Betroffenen noch im Jahr 3260 an genetischen Veränderungen, gehäuften Krebs- und auch andere Krankheiten leiden werden. Eisenberg: "Tschernobyl wütet im Erbgut."
Diese Erkenntnisse sind für die Wissenschaftler der betroffenen Regionen
nichts Neues, sie selbst haben sie erforscht. "Doch", so Eisenberg, "sie
werden im Westen nach Kräften totgeschwiegen." Das sei nicht
verwunderlich, "wenn man die Laufzeiten der Atomkraftwerke hier
verlängern will". Daher müsse man deren Gefährlichkeit klein reden.
Eisenberg wies ausdrücklich darauf hin, dass auch Kernkraftwerke im
"Normalbetrieb" für die Bevölkerung gefährlich seien. Es gebe
ausreichend Studien, die belegen, dass das Risiko an Krebs zu erkranken
steigt, wenn man im Umkreis von bis zu 50 Kilometern von einem
Atomkraftwerk lebt.
Bei Tschernobyl gehe es deswegen nicht nur um das Erinnern, schloss
Dietrich von Bodelschwingh von der Initiative "Heim-statt Tschernobyl"
als Moderator den Abend. "Tschernobyl ist gegenwärtig und es ist alles
zu tun, dass es sich niemals wiederholt."
