You are here: Home Archiv 2015 Bochumer Erklärung zu den Terror-Anschlägen von Paris
Document Actions

Bochumer Erklärung zu den Terror-Anschlägen von Paris

Zwei Tage nach den Terror-Attacken in Paris ist am Sonntag (15. November) die BOCHUMER ERKLÄRUNG auf den Weg gebracht worden. Sie reagiert auf den "Abgrund an Hass, der sich unter uns in Europa auftut".

Dass eine Stadt den Terror ächtet  -  d.h. ihn kategorisch aus ihrer Mitte ausschließt, ihn im Wortsinn verachtet  -  dafür gibt es kein Vorbild und keinen Vergleich. Es zu organisieren, gibt es keine eingespielten Verfahren, keine vertrauten Wege. Die "Bochumer Erklärung" wird selber laufen lernen müssen.

Das heißt: Die Liste der Erst-Unterzeichner ist nicht abgeschlossen.

Institutionen und Initiativen der Stadt, die das wissenschaftliche und kulturelle, das politische und wirtschaftliche Leben der Stadtgesellschaft repräsentieren, werden sich in den kommenden Tagen als Erstunterzeichner anschließen.

Ab Mitte der Woche dann soll, das die Idee, die "Bochumer Erklärung" allen Initiativen und Vereinen, allen Gruppen und Kreisen und Korporationen dieser Stadt zugänglich gemacht werden, ebenso allen Bochumer und Bochumerinnen, die in ihrem eigenen Namen sprechen und handeln.

Die BOCHUMER ERKLÄRUNG im Wortlaut:

WIR ÄCHTEN DEN TERROR, WIR ACHTEN UNS

Terror darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Terror und Demokratie schließen sich gegenseitig aus.

Terrorist ist, wer glaubt, er sei Herrscher über Leben und Tod. Terrorist ist, wer denkt, er sei Herr über Wahrheit und Irrtum. Wer sich an Gottes Stelle setzt, ist Terrorist.

Wir verweigern jede Rechtfertigung, jede Solidarität, jede Unterstützung des Terrors.

Diejenigen, die an Gott glauben, sind sich mit denen, die nicht an Gott glauben, darin einig: Terror kann nicht gottgewollt sein. Eine Idee, die Menschenopfer verlangt, ist barbarisch. Eine Kultur, die den Tod will und nicht das Leben, ist eine Kultur des Todes.

Unser Zusammenleben gründen wir auf dem Respekt vor dem Anderen und darauf, dass niemand das Recht hat, sich zum Herren zu machen über andere  -  egal, welches Geschlecht und welche Hautfarbe sie haben, welche Überzeugung sie vertreten und welchen Gott sie bekennen.

Wir achten uns, gerade weil wir verschieden sind, weil wir verschiedene Ansichten haben, weil wir Konflikte demokratisch regeln und ohne Gewalt.

Wir achten uns, wir ächten den Terror.

Bochum, 15. November 2015

Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister der Stadt Bochum
Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags
Carina Gödecke, Präsidentin des Landtags NRW
Dr. Gerald Hagmann, Superintendent der Evangelischen Kirche Bochum
Michael Ludwig, Propst der Katholischen Kirche in Bochum und Wattenscheid
Tolga Ahiskali, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bochumer Moscheen
Grigory Rabinovich, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen
Diana Ewert, Regierungspräsidentin Arnsberg
Kerstin Wittmeier, Polizeipräsidentin Bochum
Werner Neveling, Vorstand der Inneren Mission - Diakonisches Werk Bochum und Geschäftsführer der Diakonie-Ruhr
Ulrich W. Kemner, Direktor des Caritasverbandes für Bochum und Wattenscheid und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bochumer Wohlfahrtsverbände


Quelle: Evangelischer Kirchenkreis Bochum