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Bochum: Geflüchtete in Deutschland: Experten fordern konkrete Lösungen

Politik und Gesellschaft müssen sich stärker als bisher für konkrete Lösungen in der Flüchtlingsfrage engagieren. Denn nach Ansicht der Duisburger Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels werde das gesellschaftliche Klima zunehmend rauher. „Wenn die Polizei eingreifen muss, wenn Regeln nicht respektiert werden, ist etwas mit Erziehung und Integration schief gelaufen“, sagte Bartels am Donnerstag (16. März) auf der Frühjahrstagung der Ruhrsuperintendenten in Bochum.

Bochum: Geflüchtete in Deutschland: Experten fordern konkrete Lösungen

Tagung der Ruhrsuperintendenten am 16. März in Bochum. Foto: Julia Gottschick / EvH

Die Polizei nehme diese alarmierenden Entwicklungen häufig zuerst wahr, warnte Bartels. Man dürfe den Blick vor der aktuellen Situation nicht verschließen, sondern müsse vielmehr die Daten und Fakten genau analysieren und auswerten, forderte die Polizeipräsidentin. Der Staat müsse die Migration steuern können und im konkreten Fall differenzierte Hilfe anbieten. Dazu gehöre angemessener Wohnraum in überschaubaren Bereichen, um eine Ghettobildung zu vermeiden.

Daneben müsse zum Beispiel der Kriminalitätskreiskauf rund um sogenannte „Schrottimmobilien“ unterbrochen werden, u.a. durch den Ankauf der Gebäude, sagte Bartels vor leitenden Theologen und Diakonie-Vertretern mit Blick auf die Duisburger Problemimmobilien. Sie betonte, dass langjährige Asylbewerber aus dem Libanon und südosteuropäische Zuwanderer das Hauptproblem darstellten. Flüchtlinge aus Krisengebieten spielten polizeilich gesehen nur eine untergeordnete Rolle.

Auf der Tagung zum Thema "Geflüchtete in Deutschland" sprach sich die neue Rektorin der Evangelischen Hochschule Bochum (EvH), Prof. Sigrid Graumann, für eine „unbedingte Verpflichtung zur Nothilfe“ und eine „bedingte Verpflichtung zur Integration“ gegenüber Migranten aus. Dies schaffe Handlungsspielräume zur Steuerung und Gestaltung der Einwanderung. So könnten auch durchaus berechtigte Sicherheitsinteressen der Bevölkerung berücksichtig werden, forderte die Ethikerin.

Dass Angst vor den Fremden und dem Fremdem ein schlechter Ratgeber sei und anfällig mache für rechtes Gedankengut, hatte zuvor schon Polizeipräsidentin Bartels angemerkt. Die Psychologin und Trauma-Expertin Prof. Cinur Ghaderi von der EvH griff auf der Tagung die Frage nach den Ängsten auf und rief dazu auf, die „erlernte Angst gegenüber Fremden zu überwinden“. „Wir müssen ein ,Fremdheitkompetenz' erwerben, d.h. den Umgang mit Fremdheit und Fremden erlernen“, sagte Ghaderi. Dies sei die Herausforderung einer pluralen Gesellschaft wie der unsrigen, die zahlreiche fremde Elemente enthalte.

Hintergrund:

Der Ruhrsuperintendenten-Konferenz gehören derzeit 15 evangelische Kirchenkreise im Ruhrgebiet mit knapp 1,5 Millionen Gemeindemitgliedern an. Die Konferenz befasst sich seit mehr als 50 Jahren mit Fragen des Strukturwandels im Ruhrgebiet und fördert den Dialog mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. - Diakonie RWL ist einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Die Diakonie RWL repräsentiert rund 5.000 evangelische Sozialeinrichtungen mit 130.000 Mitarbeitenden und vielen Ehrenamtlichen. (www.diakonie-rwl.de)

Die Evangelische Hochschule RWL in Bochum ist die größte evangelische Hochschule in Deutschland. Träger sind die Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe. Derzeit nehmen rund 2.400 Studierende die umfassenden Studienangebote im Sozialwesen und der Gemeindepädagogik wahr. Schwerpunkte der Forschung sind insbesondere Inklusion, Versorgungsstrukturen im Sozial- und Gesundheitswesen sowie ethische Grundlagen des Sozialstaats. (www.evh-bochum.de)


Quelle: RSK