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Duisburg: Bewegende Gedenkfeier für die Opfer der Loveparade

Zum vierten Jahrestag der Loveparade-Katastrophe waren die Angehörigen der Opfer wieder aus aller Welt nach Duisburg gekommen, um gemeinsam zu trauern und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ombudsmann Pfarrer Jürgen Widera, Oberbürgermeister Sören Link und viele Helfer der Notfallseelsorge begleiteten und unterstützten sie dabei.

Nach einem Gottesdienst in der Salvatorkirche fuhren die Angehörigen am Mittwoch (23. Juli) zur Gedenkstätte in den Tunnel an der Karl-Jarres-Straße. Dort hatte der Verein "LoPa2010" die "Nacht der 1000 Lichter" organisiert. Viele Menschen zündeten zur Erinnerung an die Toten und Verletzten Kerzen an. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war nach Duisburg gekommen, um die Angehörigen zu begleiten.

"Das Unglück hat tiefe Wunden gerissen - in Familien, in Lebensgeschichten, in Zukunftspläne, auch in unsere Stadt", erinnerte Oberbürgermeister Link am Donnerstag im Rahmen der Gedenkveranstaltung am Mahnmal: "21 Familien wurde ein geliebter Mensch entrissen, für viele der mehr als 500 Verletzten und Traumatisierten hat sich das Leben mit einem Schlag verändert." In den letzten zwei Jahren habe er viele Gespräche mit den Angehörigen der Opfer und ebenso mit den Verletzten geführt.

Link: "Dabei habe ich viel Persönliches über die Menschen, die hier gestorben sind, erfahren: über ihre Träume, Zukunftspläne und manche liebenswerte Angewohnheit. Ich erfuhr, was ihnen Spaß machte und was sie beschäftigte. Dadurch sind aus Namen 21 junge Menschen geworden, mit einem Gesicht und einer Persönlichkeit. Die dadurch entstandene Nähe macht mir das Gedenken einfacher, zugleich aber auch sehr viel schwerer: Ich habe so viel von ihnen erfahren, begegnen werde ich ihnen nie."

Bei den Verletzten mögen die körperlichen Wunden inzwischen verheilt sein, seelisch würden viele bis heute leiden: "Dabei sind es nicht nur die Bilder der Katastrophe, von denen sie immer wieder eingeholt werden. Auch die damals empfundenen Ängste durchleben sie immer wieder, heute aber in alltäglichen Situationen. Der Alptraum Loveparade bestimmt ihr Leben, ein normaler Alltag ist unter diesen Umständen zum Teil kaum möglich."

Gerade deshalb seien die vielen Helfer unverzichtbar für die Bewältigung der Katastrophe. Link dankte allen Gruppen, Initiativen und insbesondere dem Verein "LoPa2010", die sich für die Aufarbeitung der Tragödie sowie für die Interessen der Betroffenen engagiert haben und engagieren. "Ich danke der Notfallseelsorge, die die Angehörigen der Opfer und die Verletzten intensiv und professionell begleitet hat und betreut. Danke auch an unseren hochengagierten Ombudsmann Jürgen Widera. Dank all denen, die sich für die Schaffung der Gedenkstätte eingesetzt haben. Und ausdrücklich auch ein herzlicher Dank an jene, die sich so liebevoll um die Pflege der Gedenkstätte kümmern, hierzu viel Zeit, aber auch Geld investieren."

Link ist überzeugt, dass Duisburg, seine Bürgerinnen und Bürger, die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten durch die Tragödie zu einer Art Schicksalsgemeinschaft wurden: "Aus dieser Schicksalsgemeinschaft heraus hat sich ein Netzwerk entwickelt, dass die Angehörigen, Verletzten und auch diese Stadt dabei unterstützt, den Blick schrittweise wieder auf die Zukunft zu richten. Alle in diesem Netzwerk leisten Großartiges. Auch mir gibt das Kraft. Es ist gut, in schweren Momenten zu wissen, dass es auch Zuversicht gibt."


Pfarrer Jürgen Widera (Bild) beschrieb in seiner Ansprache die Idee, weiße und rote Luftballons in den Himmel steigen zu lassen: "Es ist ein Zeichen unserer Verbundenheit mit allen Opfern der Katastrophe, ein Zeichen der Verbundenheit von Erde und Himmel, der Lebenden mit den Toten, der Unversehrten mit den Verletzten." Unendlich bewegend waren dann auch die Worte von vier Überlebenden, die noch einmal über ihre Qualen, Ängste und die Panik im Tunnel sprachen, während die Luftballons in den Himmel flogen.

Widera sprach aber auch die schleppende juristische Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe an: "Nach der Erhebung der Anklage haben viele nicht verstehen können, dass Verantwortliche nicht darin vorkommen, die Schuld auf sich geladen haben. Ich hoffe dennoch, dass der anstehende Prozess den Opfern ein Stück Gerechtigkeit zukommen lässt und dass er endlich Aufklärung bringt, warum es zu dieser Katastrophe hat kommen können und wo die Verantwortlichkeit dafür liegt."


Quelle und Foto: Stadt Duisburg