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Kulturhauptstadt: Kirchenkreis und Kulturbüro zeigen Werke eines Brückengängers in der Marktkirche

"Schmerz der Freiheit" lautet die Überschrift einer Ausstellung mit Werken von Jems Robert Koko Bi, die das Evangelische Kulturbüro und der Kirchenkreis Essen anlässlich des Kulturhauptstadtjahres Ruhr 2010 noch bis zum 22. Juli in und an der Marktkirche zeigen.

Zentraler Blickfang ist ein 3,70 Meter hoher Portraitkopf von Nelson Mandela, der seit Montag auf dem Platz vor dem protestantischen Gotteshaus steht und schon vor der offiziellen Ausstellungseröffnung für Aufmerksamkeit sorgt. Parallel zu den Arbeiten Koko Bi's sind in der Kirche ausgewählte Ergebnisse eines Workshops zu sehen, den der Künstler zusammen mit Schülern der Gustav-Heinemann-Gesamtschule durchgeführt hat.

Aus 2.700 Holzklötzen, "pieces of lives's history", hat der afrikanische Bildhauer Jems Robert Koko Bi den Portraitkopf von "Nelson Mandela" zusammengesetzt und geformt: Aus Sicht des Künstlers steht Nelson Mandela stellvertretend für viele bekannte und auch weniger bekannte Freiheitskämpfer, die den Kampf gegen Apartheid und Unterdrückung führten und den "Schmerz der Freiheit" in besonderer Weise erlebten. Ergänzt wird die Skulptur im Innenraum der Marktkirche durch Werke, die Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Mutter Theresa
zeigen: "Dadurch möchte ich denjenigen Respekt und Ehre erweisen, die sich für die Würde des Menschen, für den Abbau von einseitigen Machtverhältnissen, für Gerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben einsetzen, sagt Koko Bi.



Der Künstler Jems Robert Koko Bi neben dem hölzernen Portraitkopf von Nelson Mandela. Foto: Kirchenkreis

Ein besonders augenfälliges Symbol, das sich in mehreren der im Kirchraum gezeigten Arbeiten findet, sind Stühle. Die vierteilige Gruppe "Der Ball der Abgeordneten" etwa führt einige Exemplare zum Tanz zusammen, sie wackeln, sind schräg geneigt oder stehen gar auf dem Kopf. "Amistad" zeigt dagegen gebundene, gefangene Menschen, die auf der Sitzfläche stehen. Stühle drücken für Koko Bi die Machtbalancen aus, die, ob in Südafrika oder in den westeuropäischen Gesellschaften, das Verhältnis zwischen den Mächtigen im Land und dem Volk prägen. Die Beine erinnern daran, dass das Volk die Gesellschaft und die Form des Zusammenlebens trägt, erläutert der Künstler. Gleichzeitig kommt es natürlich darauf an, wer sich auf den Stuhl setzt: Viele der Mächtigen, die eigentlich die Interessen des Volkes vertreten sollten, werden bequem, sie vergessen, wem sie ihre Macht verdanken, und 'unterdrücken' buchstäblich die Rechte des Volkes. Die Lehne und die Kanten schließlich stehen für die Grenze zwischen der 'Freiheit' der Mächtigen, sich zu nehmen, was sie wollen - oder auch nicht -, und der Freiheit der anderen."

Der afrikanische Bildhauer und Druckgraphiker Jems Robert Koko Bi wurde
1966 in Sinfra, Elfenbeinküste, geboren. Nach dem Studium der Spanischen Geschichte und Kunst in Abidjan erhielt er 1997 ein DAAD Stipendium und wurde an der Kunstakademie Düsseldorf Meisterschüler bei Professor Klaus Rinke. Vermittelt durch Museumsfreunde zog er wenige Zeit später erst nach Essen-Werden, später nach Rüttenscheid, wo er heute wohnt - wenn er nicht gerade in irgendwo in Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich oder einem afrikanischen Land eine seiner zahlreichen Ausstellungen vorbereitet. Im Jahr 2005 erhielt Jems Robert Koko Bi den Kunstpreis, den die Evangelische Kirche in Essen anlässlich ihrer Reformationsveranstaltung zum Thema "Kunst und Glaube" vergab.

Die Ausstellung in der Marktkirche kann montags bis freitags von 10.30 bis 18 Uhr, samstags von 12 bis 18 Uhr sowie sonntags vor und nach den 18-Uhr-Gottesdiensten besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.
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