Ruhrsuperintendentenkonferenz und Evangelische Fachhochschule Bochum vereinbaren Zusammenarbeit beim Thema “Gemeindediakonie“
In vielen evangelischen Kirchengemeinden kommt Diakonie praktisch nicht vor. Das ist zumindest die verbreitete Wahrnehmung von haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden. Unter Diakonie versteht man in erster Linie die institutionalisierte Diakonie mit ihren organisierten Hilfsangeboten und Beratungsstellen.
Zum Gruppenfoto vor der Hochschule stellten sich die Superintendentinnen und Superintendenten gemeinsam mit den Professorinnen und Professoren der Evangelischen Fachhochschule (EFH) auf. EFH-Rektor Gerhard K. Schäfer (vorne, 4. von links) und Superintendent Joachim Deterding (vorne, 5. von links) hoben die Vorteile der angestrebten Kooperation hervor. Foto: Hoof
Einseitiges Verständnis von Diakonie
Dieses Bild ist aber einseitig, denn diakonisches Handeln findet bei genauerem Hinsehen in vielen Gemeinden durchaus statt: Konkrete und praktische Hilfe für Menschen in Not, Angebote wie Mittagstische oder Kleiderkammern, ja selbst die Arbeit von angestellten Gemeindeschwestern werden aber oft nicht mit Diakonie in Verbindung gebracht.
Um die Sensibilität für solche diakonischen Angebote zu schärfen, soll im Ruhrgebiet ein neues Projekt gestartet werden. Darauf haben sich Vertreter der Evangelischen Kirchenkreise im Revier und der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (EFH) heute verständigt. Bei der Jahrestagung der Ruhrsuperintendentenkonferenz in Bochum vereinbarten sie eine enge Zusammenarbeit im Bereich „Gemeindediakonie“.
„Wir freuen uns sehr über die Anfrage der Konferenz, mit unserer Fachhochschule kooperieren zu wollen“, betonte der Rektor der EFH, Prof. Dr. Gerhard K. Schäfer. Diese sei für ihn naheliegend und liege in beiderseitigem Interesse. Für die Fachhochschule verspricht er sich dadurch eine enge Anbindung der wissenschaftlichen Forschung an die kirchliche Praxis. „Wir können mit unseren empirischen Projekten direkt bei den Kirchenkreisen und Gemeinden andocken“, sagte Schäfer. Da die Ergebnisse wiederum die Arbeit vor Ort befruchten können, ergebe sich eine „Win-Win-Situation“ für beide Partner.
Auch Superintendent Joachim Deterding (Oberhausen), Moderator der Ruhrsuperintendentenkonferenz erhofft sich von der Zusammenarbeit wichtige Impulse für die Gemeinden und Kirchenkreise. Mittels der wissenschaftlichen Begleitung durch Studierende und Lehrende der EFH werde die eigene Praxis einer kritischen Reflexion unterzogen. „Wir müssen aber erst einmal klären, was für ein Verständnis von Diakonie wir haben“, unterstrich Deterding mit Blick auf die weitere konzeptionelle Arbeit. Insbesondere müsse das Verhältnis von diakonischem Handeln in der Gemeinde und der institutionalisierten Diakonie geklärt werden.
Von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe soll das Projekt nun weiter ausgearbeitet werden. Dazu gehört auch die Entwicklung eines Fragebogens, der vor Ort in den Gemeinden eingesetzt werden soll. Methodisch könne man sich, so Prof. Dr. Christian Zwingmann, der neben Prof. Schäfer seitens der EFH das Projekt betreuen wird, an bereits vorhandenen Untersuchungen orientieren.
Die Kooperation von Ruhrsuperintendentenkonferenz und Evangelischer Fachhochschule ist auch Bestandteil einer Konzeption, die bei der Tagung am Vormittag beraten wurde. Hierin sollen die Leitlinien der künftigen Arbeit der Konferenz festgeschrieben werden. Intensiv diskutierten die Superintendentinnen und Superintendenten über die vorgeschlagene Einstellung eines Geschäftsführers oder einer Geschäftsführerin. Da die Stelle nach dem Ausscheiden des jetzigen Inhabers, Pfarrer Dr. Matthias Hoof, nicht mehr durch eine der Landeskirchen besetzt wird, müssten die Personal- und Sachkosten künftig von den Kirchenkreisen selbst aufgebracht werden. Die Entscheidung darüber aber können nur die Leitungsgremien der Kirchenkreise treffen. Diese haben nun bis Ende Januar 2012 Zeit, über die Konzeption zu beraten und zu entscheiden.
Außerdem haben die Vertreter der Kirchenkreise beschlossen, sich gemeinsam mit anderen regionalen Institutionen und Einrichtungen für die Setzung eines Schwerpunkts „Kirchliche Regionalgeschichte des Ruhrgebiets“ an einer Ruhrgebiets-Universität einzusetzen.
